© 2019 IRINA KURTISHVILI

PAUL(A) STERN – UNKNOWN ARCHIVE

Exhibition / Georgian State Museum of Theatre, Music, Cinema and Choreography / Tbilisi  (01.11.2013 – 30.11.2013)

EN

The project is based on the history of the 19th century Tbilisi's German community named “German Colony”. Its goal is to identify the architecture of this settlement, and to study and popularize the history of German settlers in Georgia. Many of these buildings are still used as public buildings which played a significant role in forming of the character of Tbilisi, and contributed to urban identity of the city. We believe that their significance should not be overlooked. The former palace of Graf Oldenburg was built in 1895 and now houses the Georgian State Museum of Theatre, Music, Cinema and Choreography. The building reflects tendencies of the early 20th century when political, economic and cultural relationships between Georgia, Russia and Germany were renewed. The author of this Neo-Gothic style building was the German architect Paul Stern. The Museum has recently acquired 72 dispatched post cards belonging to Sterns family dated to 1899 –1911. It is also of symbolic significance that this archive has been exhibited for the first time together with Graf Oldenburg's bequest in the very museum built by Paul Stern, something that itself creates a unique background for the setting of the exhibition.

 

GEORGIAN TV ABOUT EXHIBITION:

 

GDS / 1 November 2013 (25 min) / only Georgian

A conversation with Irina Kurtishvili and Lelo Tchitchinadze (museum), moderated by Alex Chigvinidze (GDS Culture)

 

Rustavi 2 / 1 November 2013

1 TV. GE / 1 November 2013

DE

Das Projekt basiert auf der Geschichte der deutschen Siedlung, die Anfang des 19. Jahrhunderts nordwestlich von Tiflis (Tbilissi) entstanden ist. Der ehemalige Palast des Grafen von Oldenburg wurde im Jahre 1895 von Paul Stern, einem in Tiflis lebenden bekannten deutschen Architekten, erbaut. Das bizarre Bauwerk, in ihrer Art das einzige neogotische Gebäude in Tbilissi, ist heute ein Ausstellungshaus mit Schwerpunkt Theater, Musik, Kino und Choreographie. Hier verbindet sich ein aktuelles, in die Zukunft gerichtetes Programm mit einem Bau, dessen Architektur ikonisch für die Aufbruchsstimmung der deutsch-russisch-georgischen kulturellen Beziehungen um 1900 steht. Die Ausstellung präsentierte das bis jetzt unbekannte Archiv der Familie Stern, welches 2013 an das Museum überreicht wurde. Die Sammlung umfasst 72 handgeschriebene Ansichtskarten aus der Zeit von 1899 bis 1911 und wurde in dieser Ausstellung erstmals öffentlich gezeigt. Für die Besucher bot sich im Museum das besondere Erlebnis, dass der Ausstellungsort zugleich auch zum Ausstellungsstück wurde und im Kontext der Schau in symbolischer Gesamtinszenierung erschien.

EXHIBITION VIEWS:

Installation view

Installation view / old palace with unique architecture before its full restoration in 2014

Reference maps of the German Colonies in Tbilisi / designed by W. Kurtishvili, 1992

Installation view with Oldenburg's chandeliers

Horse Tamers statues on Anichkov Bridge in St. Petersburg / postcard from 2. XI.1902, addressed to Mlle Paula Stern, Bern

Photography by Sandro Sulaberidze

DE

PROJEKT:

 

Das Projekt dient dem Ziel, der Erhaltung der besonderen baulichen Identität der deutschen Siedlung in Tbilissi  und deren Repräsentation. Bisher sind das späte 19. und das frühe 20. Jahrhundert im georgischen Kulturerbe unterrepräsentiert. Deshalb fügt sich dieser historische Stadtteil fast perfekt in das Spektrum des zu füllenden Lückenberichts ein. Da eine historische Stadt wie Tbilissi kein Museum ist, sondern ein lebendiger Organismus, der Häutungen und Wandlungen unterworfen ist, besteht hier eine wahre Herausforderung, dieses Stadtteil und seine Orte neuen Nutzungsanforderungen anzupassen und in die moderne städtebauliche Entwicklung und Raumordnung einzubeziehen. 

 

In Betracht kommen einige ikonische Bauwerke, welche sich an der Agmashenebeli Avenue und in der unmittelbaren Umgebung befinden. Diese Bauwerke sind ursprünglich teils von deutschen Architekten erbaut worden und prägen nachhaltig das Tbilisser Stadtbild und dessen Identität. Solch kulturell vielfältige Orte braucht eine Stadt, um ihre Vergangenheit im Kontext mit anderen Nationen nicht zu vergessen.

 

Der neogotische Palast, der sich in diesem attraktiven Stadtteil befindet, wurde von dem deutschen Grafen Konstantin Friedrich Peter von Oldenburg (1850 –1906),
für seine Geliebte,
Georgierin Agrafina Djapharidze Dadiani (Agrippina Gräfin von Zarnekau, 1855–1927) gekauft. Graf von Oldenburg heiratete seine Geliebte, lies den Palast umbauen und lebte dort bis zu seinem Lebensende. Ein zentrales Anliegen ist uns Geschichte zu vermitteln, historisch-wissenschaftliche Forschungsergebnisse in einer verständlichen Form darzustellen und für Einheimischen begreifbar zu machen. 

 

PAUL STERN, BIOGRAFIE:

 

Die Geburt -und Todesjahre des Architekten Paul Stern bleiben bis heute unbekannt. Genauso unbekannt ist der Großteil seines Lebens. Stern kam in den 1870er Jahren als Assistent des Architekten Viktor Schröter nach Tbilissi und begann seine Tätigkeit als er bei den Bauarbeiten des Opernhauses an die Spitze trat. Er ließ sich in Tbilissi nieder und baute sein eigenes Haus. Sterns Kunden waren oft wohlhabenden Bürgern, so konnte er sein Wissen der internationalen Architekturstile präsentieren. In seinem Schaffen spielten Renaissance und Barock eine wesentliche Rolle, aber seine Bauten wurden auch vom maurischen Baustil beeinflußt. Zu Sterns Projekten gehören einige wichtige Gebäude in Tbilissi, wie das Rathaus am Friedensplatz.

Installation view / arrangement sketch

AUSSTELLUNGSSZENOGRAFIE:

 

Im Sinne einer rekonstruktiven Forschung wurde intensiv mit den Korrespondenztexten gearbeitet und überraschende Ergebnisse zu Paul Sterns Familiengenealogie ans Tageslicht gebracht. Diese Resultate wurden mittels einer künstlerischen Re-Inszenierung erstmals auf der Ausstellung zusammen mit einem Teil aus dem Nachlass des Grafen von Oldenburg gezeigt. 

 

Die Ausstellungsszenografie wurde vor Ort in direkter Auseinandersetzung mit dem Interieur konzipiert, die in eine labyrinthartige Installation resultierte. Verwendet wurde ausschließlich durchsichtiges Material, wie Plexiglas-Platten, die im Ausstellungsraum unterschiedlich aufgehängt und installiert wurden. Die Postkarten sind nach verschiedenen Themen sortiert und beidseitig sichtbar in Plexiglas-Platten eingerahmt. 

Exhibition venue:
Georgian State Museum of Theatre, Music, Cinema and Choreography
6, Kargareteli Str.
0112 Tbilisi 
Tel. +995 032 295 3 563